Natürliche Bewegung: Vergiss nicht, nach draußen zu gehen und zu spielen
Wir beobachten und spüren es: Die digitalen Medien hinterlassen ihre Spuren. Nicht nur Jugendliche sind Dauerablenkung und Bewegungsmangel erlegen, auch wir Erwachsenen. Spätabendliches Videoschauen, Mails beantworten und zwanghaftes Wischen auf dem Handy sind allgegenwärtig.
In diesem Beitrag gehe ich auf den Bewegungsaspekt ein und beleuchte das wichtige Pendant dazu. Drei Konzepte, in denen ich mich immer schon intuitiv beheimatet gefühlt habe:
- Natürliche Bewegung (natural movement) und naturgegebene Bewegungsmuster
- Rewilding mit Wildfitness
- Resonanzsportarten am Beispiel Stand-up-Paddling (SUP)
Natürliche Bewegung
Bewege dich natürlich, „moving naturally” (MovNat) eben. Es gibt viele marketinggetriebene Fitnesskonzepte. Attraktiv an MovNat ist für mich, dass die Grundlage die Natur selbst ist. In seiner reinsten Form ist es ein vollständiges Erleben der natürlichen Welt. Das über Jahrzehnte von Gründer Erwan Le Corre (öffnet in neuem Tab) entwickelte Konzept zielt darauf, unsere naturgegebenen Bewegungsmuster wiederzuerlangen, um uns im Alltag wieder effizient zu bewegen.
Das Faszinierende an diesen Bewegungsformen ist ihre Einfachheit. Die fundamentalen Grundelemente wie Gehen, Laufen, Balancieren, Springen, Bewegen auf allen Vieren, Klettern, Schwimmen, Heben, Tragen, Werfen, Fangen und Selbstverteidigung sind gerade bei Kindern gut zu beobachten, weil sie diese erst erlernen.
In meinem Alter stelle ich mir andere Fragen. Man geht davon aus, dass diese Grundelemente längst sitzen. Doch wenn du eigene Kinder hast: Wie oft und wie intensiv lebst du diese Muster? Ich muss mir eingestehen, dass meine Bewegungsfreiheit gefühlt einseitiger, eingeschränkter und verkrampfter geworden ist.
Damit stellt sich die Frage, wo man die meiste Zeit verbringt: stundenlang verkrümmt vor einem kleinen Bildschirm oder marschierend bei jedem Wetter an der frischen Luft? Es gibt massenweise Studien, die zeigen, dass draußen sein besser ist als drinnen sitzen. Ein Blick auf unsere Geschichte:
- rund 2,5 Millionen Jahre Jäger und Sammler
- rund 5.000 Jahre Sesshaftigkeit und Ackerbau
- rund 250 Jahre Industrialisierung
- rund 40 Jahre Informationszeitalter, mit viel Sitzen
Meine Botschaft an die nächste Generation und an meine Kinder: Wir dürfen unsere natürlichen Bewegungsmuster wiedererlangen und täglich nutzen. Wir dürfen uns auf unsere verborgenen Kräfte besinnen. In diesem Sinn: nicht vergessen, hinausgehen und spielen.
Inspiration: Wildfitness und Rewilding
Bei Wildfitness (öffnet in neuem Tab) geht es um transformative Retreats in der Natur. Die Philosophie: Die Natur ist unser bester Lehrer für ein erfülltes, gesundes Leben. In ihrem TEDx-Talk geht Gründerin Tara Wood der Frage nach, was Rewilding bedeutet, also die Praxis, in einen wilden, ursprünglichen Zustand zurückzukehren.
Video: Tara Wood, Re-wilding Yourself (TEDxTallaght) (öffnet in neuem Tab) auf YouTube
Die drei Säulen von Wildfitness gefallen mir:
- wildliving: auf die natürlichen Rhythmen des Körpers hören und sie respektieren.
- wildmoving: Übung soll Spaß machen, nicht bestrafen. Beweglichkeit und Verspieltheit statt reinem „beasten”.
- wildeating: Essen ist Treibstoff, darf aber schmackhaft und nahrhaft zugleich sein.
Erwähnenswert ist die soziale Komponente. Es gab eine Zeit, in der Menschen jeden Tag in kleinen, eng verbundenen Stämmen (Tribes) lebten, aufeinander angewiesen, vom Überleben bis zur spielerischen Verbindung. Diesen ausgewogenen Lebensstil suchen wir heute verzweifelt in der digitalen Dauerablenkung.
Video: Wildfitness, Transformative Fitness Holidays (öffnet in neuem Tab) auf Vimeo
Resonanzsport: mit Bewegung aus der inneren Isolation
Ein Auszug aus dem Zukunftsreport des Zukunftsinstituts (öffnet in neuem Tab) bringt eine meiner Lieblingssportarten ins Blickfeld und beschreibt schön, was mir am Stehendpaddeln so gefällt:
Resonanzsportarten wie Surfen oder Stand-up-Paddling lösen Impulse aus, die unser Leben verändern und eine neue Verbundenheit versprechen. Viele Menschen fühlen sich heute gestresst und isoliert, weil sie verlernt haben, mit sich selbst und der Welt zu kommunizieren. Die Sportarten der Zukunft sind jene, die die Beziehung zwischen Mensch und Welt vertiefen. Die Zukunft des Sports ist nicht Fitness, auch nicht Wellness, sondern Resonanz.
Das belegt auch die boomende Sportart Stand-up-Paddling, die Balance, Naturbezug und Achtsamkeit mit körperlicher Herausforderung verbindet. SUP stärkt den Gleichgewichtssinn, trainiert die Muskeln, ist sanft zur Natur und hilft gegen negativen Stress. Es ist leicht zu lernen, schafft frühe Erfolgserlebnisse und ist sozial, weil genug Atem zum Plaudern bleibt.
Hinter jeder Resonanzsportart steht eine kollektive Sehnsucht: die Sehnsucht nach Resonanz. In einer Zeit voller Steigerungs- und Optimierungszwänge wird Sport zu einer Resonanzachse.
Quellen und Links
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